Dr. Holger Bahr auf dem Golfplatz

Driver oder Lobwedge, Aktien oder Tagesgeld?

Golfen und Geldanlegen – sympathische Parallelen

Es muss wohl nach ausgiebigen Diskussionen zweier Golffreunde am 19. Loch gewesen sein, als diese Frage aufgeworfen wurde. Per Münzwurf fiel schließlich die Entscheidung, wer auf der nächsten Runde nur den Driver bzw. nur das Lobwedge im Bag haben dürfe. Wir können uns wohl alle vorstellen, mit welch interessanten Situationen die beiden Golfspieler auf dem Platz konfrontiert waren. Vermutlich dürfte der Driver-Spieler gewonnen haben, auch wenn die Bunker-Besuche herausfordernd waren. Auf der anderen Seite: 100 Meter carry über das Biotop mit einem Lobwegde sind ähnlich schwierig. Die beiden mögen viel Spaß gehabt haben. Mit Sicherheit indes verfehlten sie ihre Handicaps weiter als jemals zuvor.

Spezielle Schläger, individuelle Stärken

Woran liegt das? Nun, es sind ja schon sehr spezielle Schläger, die eindeutig ihre Stärken haben. Am langen Par 5 ist der Driver die erste Wahl, während das Lobwedge rund ums Grün herausragende Dienste liefert. Vielleicht mag man noch streiten, wer die Runde nun wirklich für sich entschieden hat, aber würden die zwei Golffreunde noch einmal gegeneinander antreten und dabei jeweils beide Schläger, also Driver und Lobwegde verwenden, wäre eines sicher: Jeder von ihnen würden erheblich bessere Scores erzielen! Je mehr Schläger im Bag sind, umso passender können wir Golfer uns den verschiedenen Lagen des Balles widmen. So sieht man bei vorgabenwirksamen Turnieren üblicherweise auch die maximal erlaubten 14 Schläger in den Taschen.

Bei der Geldanlage erlebt man unfassbar oft selbstgewählte Beschränkungen im Hinblick auf die Anlageklassen oder Finanzprodukte.

Diese Beobachtung mag so trivial sein, wie derartige Ein-Schläger-Jux-Runden selten. Bei der Geldanlage indes erlebt man unfassbar oft derart selbstgewählte Beschränkungen im Hinblick auf die Anlageklassen oder Finanzprodukte, die wenig zielführend im Sinne eines realen Vermögensaufbaus sind. Viel besser wäre es, die Vielfalt zu nutzen, um der geringsten Rendite (ohne Risiko) ebenso aus dem Weg zu gehen wie dem größten Risiko (viel Rendite). Parallel zu den Golfschlägern von Lobwedge bis Driver gibt es verschiedene Sparoptionen von Tagesgeld bis zur Aktie. Ja, es mag sein, dass für einen bestimmten Zeitraum eine bestimmte Anlageklasse schlecht funktioniert. Das passiert auf einer Runde auch mal mit dem vermeintlichen Lieblingsschläger, oder man schleppt ein Eisen 8 über den Platz, ohne es auch nur einmal gespielt zu haben.

Zielführende Strategie und breit aufgestelltes Portfolio

Dies ist freilich kein Argument dafür, in zinslosen Zeiten große bis größte Teile seines Finanzvermögens als Liquidität in sicheren Anlagen zu parken. Dort liegt das Geld nämlich schon zehn Jahre ohne Ertrag und mit Einbußen der realen Kaufkraft. So wie die Zentralbanken derzeit agieren und kommunizieren, werden die Zwanzigerjahre ähnlich zinslos verlaufen. Das Lobwedge hat – wie das Tagesgeldkonto – seine Berechtigung, aber eben nur selten oder in begrenztem finanziellem Umfang. In jedem Fall macht es Sinn, die längeren Schläger im Bag zu haben und auf der Runde einzusetzen, so wie eine zielführende Anlagestrategie immer mit einem breit aufgestellten Portfolio einhergeht. Zur Erinnerung: Für letzteres erhielt der US-Ökonom Markowitz im Jahr 1990 den Wirtschaftsnobelpreis. Für ersteres gibt es für uns Hobbygolfer hoffentlich etwas in der Nettowertung.

In diesem Sinne: Gutes Spiel!

Dr. Holger Bahr leitet seit 2004 die Einheit Volkswirtschaft bei der DekaBank, dem Wertpapierhaus der deutschen Sparkassen-Finanzgruppe, und ist leidenschaftlicher Hobbygolfer (Handicap -11,7).

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