Gedanken zum Coronavirus 2/3: Geduld

Nach Rückschlägen dranbleiben

Nachdem es in Demut bereits um Analogien von Golfen und Geldanlegen vor dem Hintergrund des Coronavirus ging, soll nun Geduld die zentrale Rolle spielen. Dabei meine ich nicht unsere Geduld, die es braucht, bis wir den Schläger wieder schwingen dürfen oder im Fernsehen zuschauen können, wie die Profis den Preisgeldern nachjagen. Kommt Zeit, kommen wieder geöffnete Golfplätze.

Wenn Profis nach einem Turniersieg, oder auch nur nach einer sehr gelungenen Runde, im Interview darüber sprechen, was ihr Schlüssel zum Erfolg war, hört man recht häufig die Formulierung: „Ich bin geduldig geblieben und habe auf meine Birdie-Chancen gewartet“. Dahinter steckt, dass man Erfolg nicht erzwingen kann und es auch nicht versuchen sollte. Es gibt Löcher, an denen man nach einem schmucklosen Par ans nächste Tee geht und dort eben nicht mehr Gas beim Drive gibt, sondern abermals seinem soliden Spielplan folgt und geduldig bleibt.

Bei Bewerbungsgesprächen gilt „Ungeduld“ als beste Antwort auf die Frage nach dem größten eigenen Fehler. Das steht in Bewerbungsratgebern und doch werden golfende Geldanleger den Kopf schütteln oder milde lächeln. Was für ein persönlicher Luftschlag oder mentaler Hacker, denn Ungeduld ist der größte Fehler, der auf dem Golfplatz und an den Finanzmärkten gemacht werden kann!

Nach dem verunglückten Schlag ins Rough gleich die Runde abzubrechen oder gar mit dem Golfsport aufzuhören, ist Unfug. Nach den Rückgängen der Aktienkurse um bis zu 30 Prozent innerhalb von rund zwei Wochen jetzt das Depot aufzulösen und die Verluste tatsächlich zu realisieren, ist gleichermaßen Unfug. In der Ruhe liegt die Kraft, oder anders gesagt: Geduld ist das Gebot der Stunde.

Der aktuell gegenüber dem Jahresanfangsstand deutlich geringere Depotwert ist gleichermaßen unschön wie temporär. Es ist eine Momentaufnahme wie das schlechte Gefühl nach einem verkorksten Schlag. Das Depot wird sich mit wieder steigenden Aktienkursen über die kommenden Monate erholen, wenn wir geduldig dabeibleiben.

Geduld wird vom Golfer generell gefordert, wenn es um die sukzessive Verbesserung des eigenen Spiels geht. 30 Meter mehr Länge vom Tee oder fünf Putts weniger pro Runde lassen sich nicht mit einem Fingerschnippen erreichen. Dazu bedarf es regelmäßigem und geduldigem Training. Diesen langfristigen Ansatz beim Golfspiel nennt man bei der Geldanlage Sparplan. Dem Vermögensaufbau geduldig und unbeirrt zu folgen, lautet die Devise, auch und gerade in Zeiten der Corona-Krise.

In diesem Sinne: Gutes Spiel, sobald es wieder erlaubt ist!

 

Vorheriger Beitrag
Gedanken zum Coronavirus 1/3: Demut
Nächster Beitrag
Gedanken zum Coronavirus 3/3: Verzicht

Ähnliche Beiträge

Menü