Golfer und Anleger überwinden Grenzen

Golfen und Geldanlegen – sympathische Parallelwelten

Das Golfjahr neigt sich dem Ende entgegen. Doch was resümieren wir? Sicherlich hat jeder von uns in den zurückliegenden Monaten ganz besondere Momente erlebt. Wenn ich zurückschaue, dann blicke ich auf eine schöne Saison zurück, in der ich mein Handicap auf ein All-Time-Low mindern konnte. Über den Tellerrand betrachtet war da doch noch was. Ja, der Masters-Sieg von Tiger Woods. Dieses Ereignis hat es bei mir allerdings nur auf Platz zwei geschafft, knapp geschlagen von Shane Lowry mit seinem überraschenden und verdienten Open-Sieg!

Ein Ire hat in Nordirland gewonnen und alle Zuschauer haben sich mit ihm gefreut. Dabei hatten sie vor allem mit Rory McIlroy ein eigenes heißes Eisen im Feuer, das nach einer 79 in der ersten Runde allerdings schon frühzeitig komplett abgekühlt war. Graeme McDowell, ebenfalls Nordire, sagte: „Heute gibt es kein Nordirland und kein Irland. Shane hat uns alle vereinigt.“ Zur Erinnerung: Es ist erst gut 21 Jahre her, dass die Grenze zwischen Irland und Nordirland befriedet wurde und seither offen ist. Bei den diesjährigen British Open waren alle Iren in der Freude für den sehr beliebten Lowry vereint.

Weltweite Streuung der Wertpapiere

Für Wertpapieranleger gibt es ohnehin kaum Grenzen. Im Gegenteil: Die Streuung der Vermögenswerte (am besten weltweit) ist Alltag im Leben eines Vermögensverwalters. Befremdlich mutet es uns insofern an, wenn nationalistische und protektionistische Tendenzen aus der Politik in einigen Ländern an Bedeutung gewinnen. Wenn die Briten am 12. Dezember an die Wahlurnen treten, um ein neues Parlament zu wählen, dann ist es auch eine indirekte Abstimmung über den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union. Das originäre Brexit-Referendum liegt nun schon über drei Jahre zurück, aber auch Premierminister Boris Johnson hat entgegen seiner vollmundigen Ankündigungen den Austritt noch nicht geschafft. Vermutlich wird im kommenden Jahr der Austritt mit dem ausgehandelten Abkommen gelingen.

Doch egal wie das Gerangel um den Verbleib oder den Austritt der Briten auch weiter verläuft: Die Grenze zwischen Irland und Nordirland bleibt „grün“, also offen. Allerdings werden die Nordiren quasi zu Briten zweiter Klasse, denn die durch den Brexit notwendigen Zollhäuschen und Passkontrollen verlagern lediglich ihren Standort. So finden sie künftig auf dem britischen Festland statt. Es wäre ein Treppenwitz der Geschichte, wenn dieser Brexit die Nordiren in die Arme der Iren treiben würde und es tatsächlich zu einer Vereinigung käme: Aus dem Vereinigten Königreich würde so ein verkleinertes Königreich.

Sport kann Grenzen überwinden

Zurück zum Golf: Die Fans haben es bei den British Open vorgelebt, wie man sich gemeinsam freuen kann. Nebenbei: Bei der diesjährigen Rugby-WM traten die Iren und Nordiren mit einer gemeinsamen Mannschaft an und schlugen sich wacker. Sport kann Grenzen überwinden, unser Golfsport hat das in diesem Jahr auf besonders schöne Weise gezeigt. Analog gilt: Grenzüberschreitende Geldanlagen sind sinnvoll und nützlich, um die Früchte internationaler Arbeitsteilung optimal zu schöpfen.

Wenn sich unsere Offenheit für eine schöne Golfrunde auch mit fremden Menschen oder auf Plätzen im Ausland genauso rumsprechen würde wie unsere Offenheit gegenüber renditeträchtigen Wertpapieranlagen, vor allem in Aktien, dann wäre das sicherlich ein Gewinn für alle. Freuen wir uns auf das kommende Jahr, was immer uns 2020 auf dem Golfplatz begeistern wird. Worüber sich die Finanzmärkte freuen würden, wäre eine echte Überraschung: Wenn die Briten doch noch vom Brexit zurückträten und in der Europäischen Union verblieben.

In diesem Sinne: Gutes Spiel!

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