Eine Frage, zwei Antworten

Fahne angreifen oder lieber auf Nummer sicher spielen? Nach der Runde entspannen oder noch einmal auf die Driving Range? Und wie schaffe ich es beim nächsten Turnier endlich wieder in die Preisränge?

Risikoabschätzung, Investitionsstrategien und Erfolgsplanung gehören zum Tagesgeschäft eines Golfers – und spielen zugleich eine entscheidende Rolle bei der Vermögensbildung. Tatsächlich gibt es in kaum einer Sportart so viele Parallelen zum Thema Geldanlage wie im Golf. Also, wagen wir das Experiment und begrüßen zwei absolute Experten auf ihrem Gebiet, denen wir jeweils ein und dieselbe Frage stellen. Für den Sport: Marcus Neumann, DGV-Vorstand und ehemaliger Bundestrainer. Für die Finanzen: Dr. Holger Bahr, Leiter Volkswirtschaft der DekaBank.

Womit beginnt der Weg, mit der visionären Zielsetzung oder der Analyse des Status quo?

Marcus Neumann: Es hängt davon ab, wo man sich befindet. Wenn die große Zielsetzung schon gegeben ist, dann analysiert man den Status quo. Wenn man sich aber in völlig neue Gefilde begibt, braucht man eine Vision. Normalerweise lautet die Reihenfolge: erst Vision, dann Zielsetzung, dann Analyse des Status quo und dann die Festlegung, wie ich von A nach B komme.

Dr. Holger Bahr: Im Prinzip ist beides sehr wichtig. Natürlich muss ich erst einmal schauen, wo ich jetzt stehe und welche Mittel mir für die Geldanlage frei zur Verfügung stehen. Das verknüpft sich aber schon mit der Zielsetzung, wie lange ich anlegen möchte.

Wie sehr ist das Erreichen der eigenen Ziele planbar?

Marcus Neumann: Ohne Plan kann ich kein Training umsetzen. Aber der Erfolg selbst ist nicht planbar. Sobald sich der Erfolg über eine zeitliche Komponente definiert und ich damit die Zukunft prognostizieren möchte, ist das unmöglich. Je ferner das Ziel liegt, desto schwieriger ist die Prognose.

Dr. Holger Bahr: Als Volkswirte entwerfen wir drei Szenarien. Das Hauptszenario ist das wahrscheinlichste, die beiden Alternativen sind „besser“ und „schlechter“. Vor diesem Hintergrund ist es keine Planbarkeit, sondern vielmehr eine Eintrittswahrscheinlichkeit von Ereignissen, die von vielen Variablen abhängt.

Woran messe ich Erfolg, an der Leistung oder am Ergebnis?

Dr. Holger Bahr: Erfolg wird am Ergebnis gemessen, darum geht es für den einzelnen Anleger.

Marcus Neumann: Wenn ich alles für den Erfolg getan habe und es am Ende dennoch nicht reicht, dann ist das zutiefst befriedigend. Man sollte sich daher an dem orientieren, was man selbst beeinflussen kann und sich dann über das Ergebnis freuen.

Sollte man den kurzfristigen Erfolg suchen oder eher nachhaltiges Investment anstreben?

Marcus Neumann: Wir investieren im Sport viel Kraft und Zeit, deshalb muss man nachhaltig handeln. Natürlich muss ich auch mal kurzfristig Gas geben, aber ohne eine solide Basis des langfristigen Trainings funktioniert das nicht.

Dr. Holger Bahr: Die Wertpapieranlage lebt davon, dass man es langfristig tut. Wer sich terminlich bindet und kurzfristig plant, verzichtet auf Rendite.

Lieber auf Nummer sicher gehen oder auch mal das Risiko suchen?

Dr. Holger Bahr: Rendite und Risiko gehören zusammen. Entweder nehme ich von beidem mehr oder von beidem weniger. Der Wunsch nach viel Rendite bei wenig Risiko ist komplett unrealistisch.

Marcus Neumann: Das ist stark situationsabhängig. Wenn ich auf der 18 mit fünf Schlägen führe, dann gehe ich gegebenenfalls auf Nummer sicher und kalkuliere mit einem Bogey. Wenn ich aber nur noch durch ein Birdie gewinnen kann, dann muss ich riskieren.

Wie sinnvoll kann es sein, die Erfolgsstrategien anderer zu kopieren?

Marcus Neumann: Kopieren ist nicht möglich, aber die Möglichkeiten anderer Wege sollte ich natürlich sehen und gegebenenfalls daraus lernen.

Dr. Holger Bahr: Das Abschauen kann ein erster Impuls sein, aber nie unmittelbare Grundlage für eine Handlungsentscheidung.

Was ist wichtiger: die eigenen Stärken ausbauen oder die Schwächen ablegen?

Dr. Holger Bahr: An einer eklatanten Schwäche, zum Beispiel mangelnde Diversifizierung in der Geldanlage, muss man in jedem Fall arbeiten. Ansonsten sollte man immer seine Stärken ausspielen.

Marcus Neumann: Den einen Spieler, der alles gleich gut beherrscht, gibt es nicht. Je jünger man ist, desto mehr sollten die Schwächen abgelegt werden. Mit zunehmendem Alter muss man sich auf seine Stärken konzentrieren und diese ausspielen.

Wie stelle ich fest, dass ich den eingeschlagenen Kurs anpassen muss?

Dr. Holger Bahr: Nach einem Rückschlag allein muss man nicht gleich alles anders machen. Wenn ich aber feststelle, dass sich mein Leben verändert hat und sich die bisherigen Anlageformen als nicht mehr richtig anfühlen, dann muss ich den Kurs auch anpassen.

Marcus Neumann: Ein Indikator ist ausbleibender Erfolg. Wenn ich meine Länge oder meine Genauigkeit nicht erreiche, dann muss ich handeln. Ohne Trainings- und Rundenanalyse geht es nicht. Ich muss die Werte beobachten, dann kann ich den Kurs auch anpassen.

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