Bleiben Sie emotional aufrecht!

Golfen und Geldanlegen – sympathische Parallelwelten

In der ersten Augusthälfte wurden die Nerven der Geldanleger arg strapaziert: Der Handelskonflikt zwischen den USA und China eskaliert weiter, der ungeordnete Brexit gewinnt an Wahrscheinlichkeit, in Italien steht die Regierung vor dem Ende, Argentinien schlittert in die Staatspleite und viele weitere Unwägbarkeiten liegen in der Luft. Dieser Cocktail aus besorgniserregenden Nachrichten lässt Konjunktursorgen aufkeimen. Rezessionsängste machen in Deutschland die Runde und die Kapitalmärkte zeigen sich von ihrer unangenehmen Seite: Die Aktienkurse gaben weltweit spürbar nach. Gute Gründe für Anleger, den Wertpapiermärkten den Rücken zuzuwenden – oder vielleicht doch nicht?

Mentale Stärke braucht der Golfer

Antworten möchte ich mit einer Parallele zu einem vorgabewirksamen Wettspiel vor einigen Wochen geben: Ein Flightpartner setzte seinen Drive an der achten Spielbahn rechts knapp ins Rough. Mit mäßiger Laune machte er sich auf die Suche, fand den Ball, befand ihn für spielbar und hackte den Ball angespannt kaum einen Meter weit. Dann reifte griesgrämig der Entschluss, den Ball doch mit einem Strafschlag außerhalb des Roughs zu droppen. Der folgende Schlag blieb an einem Baum hängen und direkt am Stamm liegen, sodass er auch noch sehr übellaunig querspielen musste. Er nahm den Ball (leise fluchend) auf, begleitete uns zum Grün und weiter zum nächsten Abschlag. Was keiner merkte: In diesen Minuten entschied sich der Fortgang seiner Runde. Unser Golfpartner hätte genügend Argumente gehabt, sich gedanklich in ein emotionales Loch zu manövrieren, seinen bis dahin ordentlichen Score zu ruinieren und das Handicap um 0,1 zu erhöhen. Es lief freilich anders, sei es wegen der motivierenden Mitspieler (also uns), sei es wegen des guten Wetters: Unser Flightpartner blieb emotional aufrecht, vergaß das gestrichene Loch, spielte die Runde sehr ordentlich zu Ende und landete schließlich noch in der Pufferzone.

Ärgern erlaubt, aber nur ganz kurz

Es ist offenkundig, was diese Parallele für einen golfenden Geldanleger bedeutet. Ja, es gibt Fehlschläge auf der Runde, und ja, ein Börsengewitter kann in das eigene Wertpapierportfolio reinregnen. Darüber darf man sich auch kurzzeitig (!) ärgern, freilich ohne sich dauerhaft emotional herunterziehen zu lassen. Es gilt, emotional aufrecht zu bleiben und sowohl sein Spiel als auch das Wertpapierportfolio zusammenzuhalten.

In diesem Sinne: Gutes Spiel!

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