In Zeiten wie diesen – einfach mal (weiter) abschlagen!

Golfen und Geldanlegen – sympathische Parallelwelten

„Was für verrückte Zeiten“ wird derzeit allzu schnell formuliert mit Blick auf die politischen Nachrichten in Funk und Fernsehen. Seit Ostern erreichen uns nahezu ausschließlich unangenehme Neuigkeiten aus der Politik, die die Finanzmärkte immer wieder auf eine Probe stellen: US-Präsident Trump droht China mit Zöllen und dem Iran mit neuen Wirtschaftssanktionen. Die Briten wollten schon seit dem Frühjahr die Europäische Union verlassen haben, aber der Austritt aus der europäischen Staatengemeinschaft (Brexit) zieht sich wie Kaugummi in die Länge. Ein Ende dieses Politdramas ist kaum abzusehen. In Italien geht die Regierung abermals auf Konfrontationskurs zur EU-Kommission, ob ihrer zu hohen Defizitplanungen im Staatshaushalt. Hier droht spätestens im Herbst Ungemach, wenn die Rating-Agenturen die italienische Bonität vermutlich kritischer als bisher einschätzen dürften.

Und nun, was machen Anleger daraus? Für die Nicht-Golfer ist dieses Umfeld von sehr großer Unsicherheit geprägt und legt als Reflex nahe, bei der Kapitalanlage die Füße still zu halten. So steigt nach wie vor das liquide und damit unverzinst weggelegte Finanzvermögen. Doch wir wissen: Sichere Zinsprodukte bieten schon längst keine Rendite mehr.

Auch in Zeiten wie diesen mögen Golfer auf Risiken durchaus differenzierter reagieren, weil ihnen derlei Risiken bewusst sind und ihnen regelmäßig Parallelen vor Augen geführt werden: Am Abschlag eines wunderschönen Par 4 stehend könnte das Fairway rechts von einer Ausgrenze geschmückt sein. Strafschlag plus Distanzverlust ist ein vergleichbares Risiko wie ein ausufernder Handelskrieg oder weitreichende Wirtschaftssanktionen gegen den Iran oder Huawei. Der Extremfall einer Staatspleite und des Euro-Austritts Italiens schwant dem Golfer möglicherweise im Hinterkopf, wenn das Fairway links von hohem und dichtem Rough gesäumt ist, was ebenfalls zum Ballverlust und Schaden auf der Scorecard führen kann. Der Brexit, selbst wenn er ungeordnet – also ohne Vertrag – Ende Oktober geschehen sollte, wird einem golfenden Anleger eher wie weniger schädliche Hindernisse (Bunker oder Wasser) vorkommen.

Und nun, was machen Golfer daraus? Sie schlagen ab, und zwar nach zügiger Schlägerwahl konzentriert und selbstbewusst. Aufhören und dem Spiel den Rücken zuwenden sind keine Optionen. Golfende Anleger sind sich der vielfältigen Risiken bewusst. Von Wind, Regen oder Hitze habe ich hier ja noch gar nicht gesprochen. Auch einer langen Liste von Risiken muss man sich stellen, denn drohendes Ungemach und Rückschläge gehören zum Spiel dazu. Also auch in Zeiten wie diesen gilt: Einfach mal (weiter) abschlagen, beziehungsweise einfach mal (weiter) anlegen!

In diesem Sinne: Gutes Spiel!

 

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