Lernen vom Ryder-Cup wäre kapitalmarktfreundlich

Golfen und Geldanlegen – sympathische Parallelwelten

Wenn Martin Kaymer auf das Jahr zurückblickt, möchte er 2018 sicherlich gerne schnell abhaken und vielmehr auf die bevorstehe Saison schauen. Wertpapieranleger werden vermutlich ähnlich empfinden. Die Performance blieb leider nicht nur hinter den Erwartungen zurück, sondern war auch absolut enttäuschend. Fast alle Anlageklassen verzeichnen ein Minus. Die Liste der schlechten Nachrichten (Dieselgate, Dürre, Ölpreis) und politischen Risiken (US-Handelskonflikt, Brexit, Italien) wirkte sich nicht zuletzt für deutsche Unternehmen belastend aus. Dennoch bleibt festzuhalten: Deutschland befindet sich im längsten Aufschwung seiner Geschichte, der angesichts des starken Arbeitsmarktes mit guten Konsumperspektiven den diversen Verunsicherungen erfolgreich die Stirn bietet. So wird sich unserer Einschätzung nach die konjunkturelle Expansion auch im kommenden Jahr fortsetzen, aber durchaus mit schwankungsanfälligen Finanzmärkten einhergehen.

Freundlichere Perspektiven würden sich umgehend auftun, wenn der diesjährige Ryder-Cup für die verantwortlichen Politiker intellektuelle Stimuli böte: Die Amerikaner sind Opfer ihrer eigenen Selbstgefälligkeit geworden. Sie sahen nicht ein, sich auf den Platz bei Paris mit seinen engen Spielbahnen einzustellen. An den Tees blind den Dampfhammer zu ziehen und nur an sich selbst zu denken, wie es US-Präsident Donald Trump auf seinen Plätzen oder bei Twitter tut, zeigte sich spieltaktisch suboptimal. Kurz gesagt: Dies ist so wenig zielführend wie Protektionismus in einer vernetzten Weltwirtschaft.

Wie erfolgreich kooperative Zusammenarbeit und (internationale) Arbeitsteilung sind, zeigte beim Ryder-Cup das Team Europa. Allen voran riss das Traumduo „Moliwood“ die mit Blick auf die Weltrangliste nur aus der Außenseiterrolle abschlagenden Gastgeber förmlich mit. Ausgerechnet der Italiener Francesco Molinari (dessen Regierung fährt einen Konfrontationskurs mit der EU) und der Engländer Tommy Fleetwood (die Briten wollen aus der EU austreten) gewannen alle vier Vierer und demonstrierten europäische Stärke. Gemeinsam erfolgreich sein! Das war die klare Botschaft an die Amerikaner, die darauf nicht mit kein einem Tweet aus dem Weißen Haus reagierten.

Es mag immer ein bisschen Glück zu solch einer Konstellation gehören. Schön waren die Bilder vom Ryder-Cup mit dem klaren 17,5:10,5-Sieg allemal. Würden die hier aufgezeigten Erkenntnisse vom großem Golf mit politischer Einsicht aufgenommen und sich mithin die drei genannten Risiken verringern bis auflösen, wären dies erfreuliche Rahmenbedingungen nicht nur für die Perspektive der Kapitalmärkte auf das Jahr 2019.

In diesem Sinne: Gutes Spiel!

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