Nerven wie Drahtseile

Max Maximal

Knochenmühle Qualifying School als Sprungbrett für Europas Elite-Tour

Es ist nicht belegt wie viele Golffans am vergangenen Donnerstag – Finaltag der Qualifying School zur European Tour – nervenbedingt zu Beruhigungstropfen greifen mussten, sicher indes ist: die Anspannung der Golferriege war an vielen Gesichtern deutlich abzulesen und die Coolness von Deka Markenbotschafter Max Schmitt toppt so schnell keiner. Besser noch, langsam, aber zielsicher wird die mentale Stärke des Zwanzigjährigen kultverdächtig.

Zur Ausgangslage: 156 Professionals hatten sich, in bis zu zwei vorangegangenen Qualifying-Stages, die Spielberechtigung für die finale Show, die Final Qualifying Stage, im Lumine Golf Club (Spanien) erspielt. Darunter auch der Andernacher Max Schmitt, der sich am Ende der zweiten Qualifikationsrunde im Stechen mit insgesamt acht Kontrahenten durchsetzen konnte. Nun galt es, noch einmal 131 Konkurrenten hinter sich zu lassen und einen der begehrten Top 25 Plätze, in sechs Runden auf zwei komplett unterschiedlichen Plätzen, zu ergattern.

Schmitt sollte einen Auftakt nach Maß erwischen und führte, mit einem Gesamtergebnis von lediglich 62 Schlägen, das Feld nach der 1. Runde an. „Die Auftaktrunde tief zu starten, ist immer schön. Es ist deutlich einfacher das Turnier mit dem Fokus auf die Top 25 weiterzuspielen. Man muss nicht gleich zu Beginn Boden gut machen und der Cut rückt früh im Turnierverlauf in greifbare Nähe“, berichtet die deutsche Golfhoffnung von seiner beeindruckenden Auftaktrunde. Ergebnisse von 71,70,68 und noch einmal 70 Schlägen folgten, bevor Schmitt – als geteilter Fünfzehnter – in die bis dato vielleicht wichtigste Golfrunde seiner noch jungen Karriere startete.

Noch am gleichen Abend wird auf Schmitts Social Media Kanälen zu lesen sein: „10 Runden in 14 Tagen, 24 unter Par, 1 Eagle, 45 Birdies, 19 Bogeys und 2 Doppelbogeys. Meine Nerven sind am Ende, ich kann meine Gefühle noch nicht in Worte fassen und brauche erstmal ein paar Tage zum Durchatmen. European Tour 2019. Danke an alle, die an mich glauben und mich unterstützen“.
Nach nur einem Jahr auf der Challenge Tour schaffte der Nachwuchsgolfer aus dem National Team Germany über den Umweg der Qualifying School tatsächlich den Sprung auf Europa´s höchste Tour. Sechs anstrengende und nervenaufreibende Tage und 108 gespielte Löcher auf den Plätzen Lakes und Hills des Lumine Golf Club galt es zu überstehen, bevor nach der Finalrunde die 27 besten Professionals mit einer Spielberechtigung für Europas höchste Golfliga belohnt wurden.

Und Schmitt machte es kurz vor dem Ende noch einmal richtig spannend. Nach Bogeys auf den Bahnen 13 und 15 verlor der für den GC Rheinhessen startende fünf Plätze und seine Qualifikation stand sprichwörtlich auf der Kippe. Jeder weitere Schlagverlust hätte den Verlust der Tourkarte zur Folge gehabt. „Es war schon verrückt! Auch am Finaltag wurden viele gute Ergebnisse gespielt und ich hatte den Eindruck, ich müsste noch ein paar Birdies abliefern um meine Chance auf eine Top 25-Platziereung zu wahren und habe dadurch gar nicht mitbekommen, dass es so knapp zuging. Erst als ich an der 16. Spielbahn auf das große Leaderboard blickte, habe ich die Situation realisiert und meinen Caddie gefragt wie es denn genau ausschaut“, so Schmitt. Die exakten Worte des Caddies zum Thema Spielstand und weiterem Vorgehen wurden nicht übermittelt, trafen aber bekanntlich voll ins Schwarze. Nervenstark spielte Schmitt drei ungefährdete Pars in Folge, hielt sein Tagesergebnis und beendete den finalen Durchgang mit einer glatten Par-Runde.

„Direkt nach der Runde freut man sich natürlich riesig, nimmt aber nicht sofort wahr, was genau passiert ist, beziehungsweise sich schon bald im Leben verändern wird“ erklärt Schmitt. Respekt und Vorfreude für das, was Dank der vollen Spielberechtigung für die European Tour nun zukünftig auf dem Plan stehen wird. In der Stunde des persönlichen Triumphs ließ es sich Schmitt nicht nehmen, seine Freunde und Kollegen aus der deutschen Riege zu erwähnen, die teilweise weniger Glück hatten und mitunter nur aufgrund eines Schlags die Tourkarte äußerst knapp verpasst hatten. „Es ist wirklich schade, dass sich neben Bernd Ritthammer und mir kein weiterer der Jungs qualifizieren konnte. Freud und Leid lagen nach der Finalrunde eng beieinander und ich hätte es wirklich allen von Herzen gegönnt“, beschreibt Schmitt die Situation mitfühlend.

Bereits in den kommenden Wochen, geht es für Schmitt nach Mauritius und Südafrika zum Start des Abenteuers European Tour 2019. Für diese Herausforderung drückt das Deka Golf-Team alle verfügbaren Daumen und freut sich darauf, den Deka Markenbotschafter auf seiner Reise begleiten zu dürfen.

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