Von der unnötigen und unmöglichen Suche nach Perfektion

Golfen und Geldanlegen – sympathische Parallelwelten

Dustin Johnson beendete unlängst ein Turnier mit einem Eisen 9 zum Eagle und erreichte einen Sieg mit üppigem Vorsprung sowie den erneuten Sprung an die Spitze der Weltrangliste. So sieht er wohl aus, der perfekte Schlag. Natürlich steckt bei Dustin Johnson unfassbar viel Talent und Training dahinter. Und dennoch ist so ein Schlag nicht selbstverständlich. Es gibt genügend Belege für verschobene 1m-Putts auch bei Profis. Anders formuliert: Perfektion ist im Golfspiel unmöglich und die Suche danach ist ebenso unnötig. An den diesbezüglichen Erwartungen muss man mental zerbrechen.

Für Aktienanleger gibt es natürlich auch immer wieder mal perfekte Momente. In Erinnerung sind mir einige Minuten des 28. Oktober 2008 geblieben, in denen die VW-Aktie bei über 1.000 Euro notierte. Bestimmt gab es hier den einen oder anderen Anleger, der in diesem Moment die Verkaufsorder platziert hat und vom perfekten Ausstieg sprechen konnte. Schon eine Woche später stand die VW-Aktie wieder bei unter 400 Euro. Aber kann das der Anspruch an die eigene Anlagestrategie an den Wertpapiermärkten sein, stets am tiefsten Punkt einzusteigen und am höchsten Punkt zu verkaufen! Mitnichten, denn auch hier müsste man von überzogenen und unrealistischen Erwartungen sprechen.

Tiger Woods sagte von einigen Jahren einmal, dass er vielleicht nur einen perfekten Schlag pro Runde spielen würde, auch wenn er gerade mal wieder ein Turnier gewonnen hatte. Es ist dem Golfer bewusst, dass es gute Schläge gibt und auch tolle Ergebnisse. Aber ein getopptes As war doch nicht wirklich ein perfekter Schlag. Rückblickend kann man bei der Geldanlage auf den Tag genau den perfekten Ein- und Ausstieg festlegen. Ex ante wird dies nicht gelingen, also kann Perfektion hier ebenfalls kein Ziel sein. In beiden Fällen braucht es Gelassenheit, mit Fehlern umzugehen und die negativen Konsequenzen entschlossen und zeitnah zu begrenzen. Mit diesem Verständnis kann die ausbleibende Perfektion letztlich weder die Golfer noch die Wertpapieranleger abschrecken. Mit „nur“ ordentlichen Schlägen wie Anlageentscheidungen kann man allemal gut leben.

In diesem Sinne: Gutes Spiel!

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