Schwungumstellung und Paradigmenwechsel am Kapitalmarkt mit Unsicherheiten verbunden

Golfen und Geldanlegen – sympathische Parallelwelten

Ohne es auf einen bestimmten Tag datieren zu wollen, befinden wir uns im Jahr 2018 doch an der Nahtstelle zwischen zwei Kapitalmarktparadigmen. Die erste neunjährige Phase nach der Lehman-Pleite liegt hinter uns, die Krisenbewältigung ist gelungen, Haken dran. Dieses Kapitalmarktparadigma war gekennzeichnet von Notenbanken, die alles in die Waagschale geworfen haben, was sie bereits im Waffenarsenal hatten oder gar neu entwickeln mussten. Kurz: Nullzinsen und aufgeblähte Zentralbankbilanzen. Unterstützung der Krisenbewältigung um jeden Preis war die Parole. Gelungen ist, den Euro zu retten, das Bankensystem zu stabilisieren und ein Wachstum positiv zu begleiten, das die Arbeitslosigkeit erkennbar verringert hat. Und ganz nebenbei: Wertpapieranlagen im Allgemeinen und Aktien im Besonderen haben sich in den letzten Jahren außerordentlich renditestark entwickelt.

Für den Golfer ist das alte Paradigma sein aktueller Schwung und die bewährte Ausrüstung. Da ist an jedem Abschlag des Heimatplatzes klar, zur welchem Schläger zu greifen ist und wie der Ball in die gewünschte Landezone bugsiert werden kann. Bis hierhin hat immer alles ganz gut geklappt, der Amateur hat sein Handicap leidlich reduziert und der Profi hat einen erwähnenswerten Platz in der Weltrangliste erklommen. So weit, so gut.

Und nun? Vor uns liegt ein absehbar anderes Kapitalmarktparadigma: Es geht um die Normalisierung des Zinsniveaus, also den Exit aus der ultraexpansiven Geldpolitik. Nicht nur die Zinserhöhungen der Notenbanken, die EZB rührt den Einlagensatz Mitte 2019 und den Hauptrefinanzierungssatz Mitte 2020 das erste Mal an, sondern auch die Rückführung der Wertpapierankaufprogramme stehen für den Paradigmenwechsel an den Kapitalmärkten. Es ist angekündigt, es ist absehbar, es ist ein Weg zur Normalität der Geldpolitik und doch muss dieses neue Paradigma in realiter erst einmal verkraftet werden. So sollte gerade der Einstieg in diese begonnene Phase von hinreichender Volatilität an den Finanzmärkten begleitet sein.

Von Schwankungsanfälligkeit kann bestimmt jeder Golfer bei einer Schwungumstellung ein Lied singen und dies anfänglich in Moll anstimmen. Die golferischen Veränderungen bringen zunächst einmal Verunsicherung mit sich, die zunächst eher verstohlen auf der Driving Range ausgelebt werden. Und selbst die kann sich gelegentlich als viel zu schmal erweisen. So wie Märkte in den kommenden Monaten Zeit brauchen, sich in dem neuen monetären Paradigma zurechtzufinden, so benötigt der Golfer viel Training, um auf dem Platz und dann noch unter Turnierbedingungen seinen Ball durch den neuen Schwung mit Freude und Zuversicht auf eine lange und gerade Reise zu schicken.

Während es bei Rory McIlroy nach seiner Schwungumstellung schon „Klick“ gemacht hat, wie er nach seinem Turniersieg im März beim Arnold Palmer Invitational zu Protokoll gab, sind die Finanzmärkte noch in ihrer nervösen Umstellungsphase auf das neue Kapitalmarktparadigma. Es dürfte noch etwas Zeit vergehen, bis wieder etwas mehr Ruhe für die anstehenden Anlageentscheidungen einkehrt.
In diesem Sinne: Gutes Spiel!

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