Fokussierung auf das Wesentliche

Das „Feld“ jenseits aller Markthektik

Viele Golfer haben in den vergangenen Wochen ihre neue Clubkarte bekommen. Da kann man schon mal wieder an die bevorstehenden Runden denken und auch Ziele für das Handicap formulieren. Hartgesottene Golfer statten bereits der Range einen Besuch ab, die Mehrzahl wird sich wohl eher in Fitnesstraining und vor allem in mentaler Vorbereitung üben. Dabei mag die Lektüre von Fachpublikationen helfen oder die Visualisierung von Schwungtechniken und Spielstrategie per DVD. So kann man sich fokussieren, sich auf der Couch ganz entspannt auf die Golfwelt einlassen.
So weit, so gut.

Ganz anders sieht es aus, wenn man politische oder wirtschaftliche Nachrichten in der Zeitung liest, im Radio hört oder im TV sieht. Dann ist es vorbei mit Entspannung und Fokussierung. Denn es gibt Grund zur Sorge, hier eine Auswahl: Das chinesische Wirtschaftswachstum, die chinesische Verschuldung, der chinesische Aktienmarkt, die chinesische Währung, die Handlungsfähigkeit der chinesischen Politik, die globalen Kapitalströme, der Rohstoffpreisverfall, die geopolitischen Konflikte, die Zinswende in den USA, die Negativzinsen, der Zustand der Banken, die Flüchtlingskrise, der Brexit, die Krise der Europäischen Union, die globale Wachstumsschwäche, das magere Kreditwachstum in Europa, die drohende Deflation, der Reformstau in vielen Ländern der Welt. Hier sind längst nicht alle Punkte erfasst, doch diese Auswahl genügt bereits, um klar zu machen, dass die Unsicherheit überwiegt.

Szenenwechsel: Sie stehen am Abschlag, der Wind pfeift von links, die Bäume biegen sich, Regen peitscht Ihnen ins Gesicht, rechts lauert ein langer Fairwaybunker, zwei Wassergräben queren ihre Spielbahn, von links drängt sich ein Teich in die Landezone, eine Entenfamilie watschelt umher, ein Mitspieler hüstelt verschnupft, ein anderer Flightpartner grummelt immer noch ob seines verzogenen Drives und der vierte Spieler lädt auch schon Munition für den provisorischen Ball nach. Wer soll sich da schon konzentrieren? Wie kann man da zuversichtlich und voller Selbstbewusstsein agieren? Wie viele Ablenkungen sind hinnehmbar, wenn es darum geht, eine wichtige Entscheidung zu treffen? Wie bekämpft man die lähmende Angst Fehler zu machen? Einmal mehr wird hier deutlich, dass es im Golferleben nicht anders zugeht als im normalen (Anleger-)Leben. Es sind Entscheidungen zu treffen unter gefühlt oder tatsächlich widrigen Bedingungen. Die furchteinflößenden Ablenkungen sind vielfältig und auch nicht zu ändern. Ändern kann sich nur der Umgang mit den Ablenkungen. Es ist in jeder Lebenslage hilfreich, sich auf das Wesentliche zu fokussieren und das Ziel fest im Blick zu haben.

Zurück auf der Couch: Es läuft der Golferfilm „Die Legende von Bagger Vance“. In einer Schlüsselszene des Films fordert Bagger Vance Junuh vor einem Abschlag auf, das „Feld“ zu erkennen. Die Kameraführung übernimmt dies für uns. Alles Störende verschwimmt und verschwindet aus dem Blick, der Fokus ist klar, der Ball wird in das „Feld“ fliegen, nur die Landezone spielt noch eine Rolle. Dem Drehbuch folgend landet der Abschlag von Matt Damon alias Junuh genau da wo er hin sollte und die Aufholjagd im Turnier nimmt seinen Lauf.
Ja, in der Realität ist das Drehbuch nicht immer so schön ausformuliert und geradlinig. Aber gerade zu bleiben und die Fahne im Blick zu halten ist für Golfer so wichtig, wie einer Anlagestrategie zu folgen und fokussiert auf den mittelfristigen Anlageerfolg zu bleiben. Die Ablenkungen auszublenden, sein „Feld“ zu sehen und dann entschieden zu agieren. Wer dies beherzigt, der wird auch nach der hektischen Nachrichtenlage für das gesamte Anlagejahr 2017 der Anlageklasse Aktien die Treue halten und in seinem „Feld“ den fünfstelligen DAX klar vor Augen haben.

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