Brexit vs. Schwungumstellung

Golfen und Geldanlegen – sympathische Parallelwelten

Viele Ökonomen mussten sich am 24. Juni morgens wohl erst einmal kneifen. Konnte es tatsächlich sein, dass sich das Vereinigte Königreich mehrheitlich gegen den Verbleib in der Europäischen Union entschieden hatte? Ja, und da die Meinungsumfragen zuletzt eher auf einen Verbleib hingedeutet hatten, war dieses Votum ein Schock für die Finanzmärkte. Sofort gingen an dem Freitag vor allem das britische Pfund und die Aktienmärkte auf Talfahrt.
Womöglich fühlen sich die Briten jetzt wie ein Golfer, der eine Schwungumstellung vorgenommen hat. Erst einmal gibt es einen herben Rücksetzer. Die Bälle fliegen anfangs in alle Richtungen mit unkalkulierbaren Längen, kurz: die Volatilität des eigenen Spiels springt schlagartig an. Der Golfer kann nun auf die Range gehen und üben, sich also mit der Schwungumstellung arrangieren. Die ersten Versuche auf dem Platz sind bestimmt noch von zögerlichem Selbstvertrauen begleitet, aber es wird mit Hilfe des Pros von Mal zu Mal besser und am Ende steht mit neuer Technik ein besseres Golfspiel.
Hier liegt ein entscheidender Unterschied zum UK-Votum, denn hier war klar, dass es am Ende keinen ökonomischen Vorteil für die Briten geben würde. Vielmehr war es eine Entscheidung für mehr politische Freiheit, eben nicht mehr von Brüssel aus gegängelt zu werden. Dabei darf man den Briten keine grundsätzliche Regelfeindseligkeit unterstellen, nur sollten die Regeln nicht vom Festland kommen, sondern auf der Insel hausgemacht sein. Bestes Beispiel: Die Quelle aller Golfregeln liegt in Schottland im Royal & Ancient Golf Club of St. Andrews!
In der Wirtschaft muss und wird es weitergehen. Unternehmen und Finanzmärkte werden sich als erste daran machen, die Nach-Brexit-Welt zu gestalten. In den nächsten Wochen werden da von politischer Seite noch einige klärende Antworten zu geben sein, um den Schleier der Unsicherheit sukzessive zu lichten. Insofern ist perspektivisch der schrittweise Aufbau der Aktienquote in diesem Umfeld politisch bedingter Schwankungen zielführend. Denn es gilt nach wie vor, dass Aktien mittel- bis langfristig solide Renditeaussichten bieten.

von Dr. Holger Bahr; Leiter Volkswirtschaft der DekaBank (Handicap -12,9)

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